Die Wurzeln eines Baumes verschlingen langsam einen Stein. Er stammt vielleicht aus einer alten Mauer, die mit Kraft eines längst vergessenen Volkes errichtet wurde. Ein rauer steinerner Boden, zerfressen von Luft und Wasser, mündet fließend in glatte, geschmeidige Häuser, von Menschenhand aus dem Steine gehauen. Eine Hand schlägt Wellen auf der Haut, eine Schulter – zart auf den ersten Blick, zerfallend bei Annäherung in einzelne silberne Körner der Filmemulsion. Ein Baum schmelzt in den Nebel hinein, die Äste verfangen sich in elektrischen Kabeln. Fotografie hält Vergängliches fest, gibt dem Beweglichen eine starrere Form. Doch oftmals besitzen die Abgüsse der Realität nicht jenen lebendigen Hauch, dessen Fehlen sie zu leeren Hüllen werden lässt, zu verlassenen Häusern der Schnecken. Schlägt aber das Festhalten fehl, kann ein umgekehrter Prozess beginnen – Kopie wird selbst zu Original, die Straßenschilder zu Straßen, die Wörter zu ihren Gegenständen. Solche Bilder vermögen nicht mehr zu transportieren – sie eignen sich nicht als Träger für Inhalte, sie selbst sind ihre Inhalte.